Genug für alle?

Bevor alle Gäste zum Essen kommen, steht (wie immer) die Frage im Raum: Reicht es? Haben wir genug? Einer bleibt sachlich und rechnet, wieviel man bräuchte. Ein anderer verzweifelt und sagt: Das reicht nie! Und am Ende sind doch alle satt geworden, fünftausend Gäste, nachzulesen im Johannesevangelium, Kapitel 6. Und das, obwohl nur fünf Gerstenbrote und zwei Fische aufzutreiben waren, die ein kleiner Junge bereitwillig hergibt.

Wir schwanken auch gerade zwischen sachlichem Rechnen und verzweifelten „Das reicht nie!“-Rufen. Wir fürchten einen kalten Winter und erschrecken über die Hungersnot, die schon jetzt Menschen sterben lässt. Ich kann das alles nicht kleinreden, ich habe auch Angst, ich bin auch entsetzt. Und am schlimmsten ist das Gefühl, hilflos zusehen zu müssen, wie diese Not auf uns zurollt.

Eine Lösung habe ich nicht. Aber ich will nicht sprachlos werden in all dem Elend. Deshalb bete ich:

Gott,

du hast diese Welt ins Leben geliebt.

Warum lässt du zu, dass sie so zerstört wird?

Komm, wir brauchen dich.

Teile Brot. Wärme uns.

Nimm deine Sache wieder in die Hand;

die Welt, diesen wundervollen Schatz;

und auch uns Menschen,

denen du den Lebensatem geschenkt hast.

Lass uns nicht zugrunde gehen.

Amen.